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„Dies war grösstenteils dem Sinneswandel einiger ihrer Familien zu verdanken, die zutiefst betrübt nach ihren heimatlosen, verstossenen Töchtern suchten und sie um Verzeihung baten.“

vor 2 Stunden
1 Min. Lesezeit

aus: Kelly Barnhill

When Women Were Dragons

S. 504


1-Satz-Literaturclub 1SLC Judith Niederberger Lakritza Kelly Barnhill When Women Were Dragons

Grafik: Lakritza mithilfe von Midjourney



Hör Dir unsere Diskussion zu diesem Satz als Podcast an




Quintessenz der Diskussion


Ein trügerischer Satz! Er will uns vorgaukeln, da sei eine #Versöhnung im Gange und die Wiedervereinigung von Familien stehe bevor.


Wir misstrauen aber dem Sinneswandel: Er ist wohl da, doch er ist den #Töchtern gegenüber, denen grausames Unrecht angetan wurde, nicht ehrlich genug. Die «zutiefst betrübten» #Familien verstecken sich hinter einer selbstbezogenen Aussage und lassen zu wenig #Erkenntnis, zu wenig #Schulbewusstsein, zu wenig Busswilligkeit spüren. Diese Euphemisierung der #Reue bringt die Unfähigkeit wahrer Schamgefühle und Schuldbekenntnisse zutage.


«Die #Scham muss die Seite wechseln!» Diesen Appell hat #GisèlePelicot wiederbelebt. Wir können ihn nicht laut genug wiederholen.


«Kinder der Landstrasse», Vergewaltigungen von Mädchen in Sekten, Mittäterschaft im Faschismus … wo immer #Unrecht geschehen ist, müssen wir lernen, darüber nachzudenken und dann vor allem auch ehrlich darüber zu sprechen.


Das ist nicht einfach.


Wenn uns zunächst die #Sprache dafür fehlt, können #Symbole helfen.


Gibt es möglicherweise deshalb heutzutage so viel dystopische Geschichten? Brauchen wir eine #Dystopie, um etwas zu verarbeiten?


Bestimmt ist es noch nicht die Lösung. Doch es ist ein Versuch, zur Sprache zu finden. Immerhin: Ein Anfang für eine mögliche Aussöhnung in der Zukunft.

 

 




Danke Riccarda Mecklenburg und Jeannette Häsler Daffré für die Co-Moderation auf #clubhouse




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