„Schliesslich wandte er sich wieder um.“
- 1-Satz-Literaturclub

- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Stunden
aus: Erich Maria Remarque
Zeit zu leben und Zeit zu sterben
S. 229

Grafik: Lakritza mithilfe von Midjourney
Hör Dir unsere Diskussion zu diesem Satz als Podcaast an
Quintessenz der Diskussion
Ein scheinbar kleiner Satz – doch ein grosser #Spannungsbogen. Wir spüren förmlich, wie da jemand mit sich innerlich ringt. Respektive gerungen hat: Das Wort «schliesslich» deutet auf eine vorangegangene Phase der Entscheidungssuche hin. Der Protagonist war in einer Situation, die ihn innehalten liess. Es war ein Moment der Stille, der Reglosigkeit. Doch jetzt ist er bereit zu einer #Aktion.
Er wendet sich wieder um. Nicht ab! Und das ist wesentlich. Würde er sich abwenden, ginge er davon. Er würde sich aus der Situation herauslösen wollen. Das ist hier nicht der Fall, und das rechnen wir ihm hoch an. Denn er weiss: Was ihn zum Sinnieren gebracht hat, geht nicht einfach so weg. Es ist da. Es bleibt da. Er muss sich ihm stellen.
Sich wenden. Sich umdrehen. Diese kleine Körperbewegung ist nicht nur in der #Literatur eine bedeutsame Handlung. Auch die Filmwelt hat sie höchst wirkungsvoll in vielen Szenen eingesetzt. Man denke an Hitchcock. An #Casablanca. Oder zu Ehren von #TimCurry – may he RIP – an den unerreicht lasziven Frank-N-Furter aus der #RockyHorrorPictureShow, wie er im schwarzen Umgang zu seinem Thron stolziert, sich effektvoll umdreht und dann seine Hülle fallen lässt.
So befreiend und selbstbestimmt fühlt sich das Umdrehen des Protagonisten an dieser Stelle im Buch bei Eva Maria Remarque nicht an. #Schuld bleibt lange haften.
Manchmal wird sie über Generationen weitervererbt.
Danke Riccarda Mecklenburg, Jeannette Häsler Daffré, Sebastian Graulich und Maria-Anna Meissner für die Co-Moderation auf #clubhouse
follow us on #clubhouse - Literaturclub
follow me on #clubhouse - Lakritza - Judith Niederberger




Kommentare