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„So still war es draussen, dass man, wenn auf der Strasse eine Patrouille vorüberging, durch die geschlossenen Fenster das Trampeln ihrer Soldatenstiefel hören konnte.“

aus: Alex Capus

Léon und Luise

S. 177


1-Satz-Literaturclub 1SLC Judith Niederberger Lakritza Alex Capus Leon und Luise

Grafik: Lakritza mithilfe von Midjourney



Quintessenz der Diskussion


Die Beklemmung in diesem Satz ist spürbar – ja, hörbar: Draussen in der Welt ist es #still. Aber bei weitem nicht friedlich. Es ist eine erzwungene Ruhe. Entweder sind die Menschen aufgefordert worden, die Häuser nicht zu verlassen, oder sie getrauen sich gar nicht hinaus, weil es zu gefährlich sein könnte, eigenständig zu denken, geschweige denn, zu reden.


Eine Türkin berichtet, wie sie den Militärputsch 1980 in #Istanbul erlebt hat. Es war so unheimlich still, dass nicht mal mehr die Vögel gezwitschert haben.


Dem Menschen, der denkt, fühlt, Wünsche hat, bleibt zunächst die Rückkehr zu sich selbst: in seine eigene #Innenwelt.


Mit geistiger und kultureller Nahrung lässt sich eine Weile überleben. Doch dann meldet sich das Bedürfnis zurück, wieder «aus sich heraus gehen» zu können. Die Lähmung wird überwunden. Gleichgesinnte finden zusammen, tauschen ihre Gedanken aus. Sie bereiten sich vor mit Flugblättern, entwerfen Pläne für ihre #Revolte.


Die #Zivilcourage ist da. Der richtige Moment wird kommen.


Dann sind sie bereit: alles zu geben, damit die Soldatenpatrouillen aus dem Stadtbild verschwinden. Damit man in der Stille wieder die Stimmen spielender #Kinder und das fröhliche #Lachen der Erwachsenen hört. Und die Vögel wieder zwitschern.









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