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„«Was ist dein Beruf?», fragte einer, der den leichten Kettenpanzer einer Person von Rang trug.“

aus: Noah Gordon

Der Medicus

Seite: 53

1-Satz-Literaturclub 1SLC Judith Niederberger Lakritza Noah Gordon Der Medicus

Grafik: Lakritza mithilfe von Midjourney


Quintessenz der Diskussion

Erstellt von Lakritza, Judith Niederberger


#Halloween steht vor der Tür. Drum können wir uns durchaus vorstellen, dass sich hier zwei Gestalten an einer Berliner #Fetisch-Party begegnen: die eine im Kettenhemd, die andere mit dem Kopf unter dem Arm – #HeidiKlum, vielleicht? So weit, so spassig. Doch bitte jetzt nicht die dröge Frage nach dem #Beruf stellen! Die Stimmung wär futsch. –


Wir lassen uns ins #Mittelalter katapultieren: Zwei Menschen stehen einander gegenüber. Der eine ist ein vermögender #Adliger – er kann sich einen erträglicheren Kettenpanzer leisten, während niedrigere #Ritter sich mit der schweren, bewegungshemmenden #Rüstung herumschlagen müssen. Das Gegenüber ist nicht einzuordnen. Kein Wappen, kein Signet lässt auf Rang oder Zunft schliessen – so tief scheint der Stand zu sein.


Haben wir hier aufrichtiges, brückenschlagendes Interesse des Ranghöheren an der anderen Person? Möglich.


Vielleicht aber ist’s die Frage eines Einsamen. Denn eine Rüstung bringt neben #Schutz und #Sicherheit gleichzeitig auch #Abschottung mit sich. Wer einen Panzer oder ein Kettenhemd trägt, kann nicht direkt berührt werden. Und wer nicht berührt werden kann, verliert mit der Zeit die Empfindsamkeit.


Eine tragische Konsequenz auch heute: Wer rangmässig hoch aufsteigt, braucht immer mehr Schutz. Der bittere Preis: Verlust direkter #Kontakte, #Berührungsarmut, #Einsamkeit.




 




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